Johannes Heil in Mainz: Vortrag über Mythen und Judenpogrome im Mittelalter


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Wenn historische Mythen Gewalt entfalten: Judenpogrome im Mittelalter
Wie entstehen Erzählungen, die sich als vermeintliche Gewissheiten in das kollektive Gedächtnis einschreiben? Die Ringvorlesung Mythen in Mainz widmet sich am 10. Dezember 2026 einem besonders folgenreichen Kapitel europäischer Geschichte. Im Erbacher Hof spricht Prof. Dr. Johannes Heil aus Heidelberg über „Gottesmord und Brunnenvergiftung“ sowie über Judenpogrome im Mittelalter zwischen 1096 und 1348/49.
Mythen als historische Herausforderung
Der Vortrag nimmt jene antijüdischen Legenden in den Blick, die im Mittelalter zur gesellschaftlichen Ausgrenzung, Verfolgung und Gewalt beitrugen. Der Vorwurf des sogenannten Gottesmords und die Beschuldigung der Brunnenvergiftung waren keine harmlosen Erzählmuster: Sie verdichteten religiöse Feindbilder zu politischen und sozialen Mechanismen der Sündenbockkonstruktion.
Im Zentrum steht damit eine historische Analyse von Sprache, Überlieferung und Macht. Die Veranstaltung fragt, wie Narrative entstehen, wer sie verbreitet und unter welchen Bedingungen aus Gerüchten kollektive Gewalt hervorgeht. Gerade die Verbindung von Mentalitätsgeschichte, Antisemitismusforschung und Stadtgeschichte verleiht dem Abend seine besondere wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz.
Eine Ringvorlesung zwischen Stadtgeschichte und Erinnerungskultur
Die zwölfteilige Reihe Mythen in Mainz untersucht bekannte Überlieferungen der Mainzer Geschichte und stellt sie auf den Prüfstand historischer Forschung. Die Themen reichen von der Gründung der Stadt über das römische Bühnentheater und Gutenberg bis zu modernen Fake News. Der Abend mit Johannes Heil führt vor Augen, wie eng lokale Geschichte, religiöse Vorstellungswelten und europäische Erinnerungskultur miteinander verbunden sind.
Die Lesungs-Atmosphäre weicht an diesem Abend einer konzentrierten Vortragsatmosphäre: Im Mittelpunkt stehen die präzise historische Einordnung, die kritische Quellenarbeit und die Frage nach der Wirkungsmacht von Sprache. Das literarische Erlebnis liegt hier in der Begegnung mit überlieferten Erzählformen, deren rhetorische Kraft und zerstörerische Konsequenzen sichtbar werden.
Historisches Wissen gegen tradierte Feindbilder
Die Begriffe im Vortragstitel verweisen auf jahrhundertealte antijüdische Stereotype. Ihre Analyse macht deutlich, dass Mythen nicht nur aus Fantasie entstehen, sondern in religiösen, sozialen und politischen Konflikten Funktionen übernehmen. Historische Expertise schafft Distanz zu solchen Narrativen und eröffnet einen differenzierten Blick auf die Mechanismen von Vorurteil, Verschwörungserzählung und Verfolgung.
Prof. Dr. Johannes Heil, Historiker aus Heidelberg, bringt diese Perspektiven in einen wissenschaftlich fundierten Zusammenhang. Für Literatur- und Geschichtsinteressierte entsteht eine Autor-Begegnung im erweiterten Sinn: Nicht eine fiktionale Handlung steht im Mittelpunkt, sondern die sprachliche und kulturelle Konstruktion von Wirklichkeit.
Fazit: Ein Abend für kritisches Erinnern
Die Veranstaltung im Erbacher Hof verspricht einen kenntnisreichen Abend über mittelalterliche Judenpogrome, antijüdische Mythen und die historische Verantwortung des Erinnerns. Wer verstehen möchte, wie aus Erzählungen gesellschaftliche Wirklichkeit wird, erlebt hier einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Diskurs in Mainz. Der Besuch der Ringvorlesung eröffnet einen analytischen Blick auf Geschichte – und schärft zugleich die Aufmerksamkeit für die Macht von Sprache in der Gegenwart.
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